OOH-Magazin Ausgabe 4 - 2015

20 OOH!–Trends & Innovationen Deutschland bahn über Twitter mit der Fassade kommunizieren: Ausgewählte Tweets werden alle 15 Minuten veröffentlicht. In diesem Kontext, so Tom Kirchgäßner, Marketing Manager von Posterscope, schafften interaktive Elemente ein „echtes, anfassbares Markenerlebnis für die Zielgruppe“. So ein Markenerlebnis wurde auch bei einem innovativen Light-Control-Poster von WallDecaux sichtbar – Wartende konnten hier mit ihrem Smartphone die Farbe eines Adidas-Schuhs auf demMotiv verändern. Sichtbar wird es ebenso auf kommunikativen Kühlschrän- ken, die die Agentur Pilot, Hamburg, für Hansa Mineralbrunnen und deren Wassermarke hella erfand und deren Entwicklung ein Jahr in Anspruch nahm. Seit April stehen in neun Hamburger Supermärkten Kühlschränke mit transparenten Screens. Auf ihnen sind abwechselnd Motive zu sehen, die die gesamte Produktpalette von hella präsentie- ren – vom klassischen Mineralwasser bis hin zu Limonaden. Zusätz- lich werdenWetteraussichten oder Ladenöffnungszeiten auf den Türen kommuniziert. Die Bewegtbildinhalte werden über einen Rechner ausgespielt, die Botschaften können je nach Bedarf an Wetter oder andere örtliche Gegebenheiten angepasst werden. Daten in Echtzeit werden mit individuellen Motiven verknüpft Diese High-End-Lösungen werfen ein Schlaglicht auf die Zukunft der Aussenwerbung. Ströer experimentiert seit langem mit den Möglich- keiten, die sich durch die Anbindung von Screens in Bahnhöfen und Einkaufszentren an einen Online-Ad-Sever ergeben. Dadurch konnte zum Beispiel Tchibo mit einer Kampagne auftreten, die je nachWetter für Regenkleidung oder Windjacken warb. Und das Portal Ebay nutzte diese dynamische Spotauslieferung und warb unterschiedlich intensiv für bestimmte Produkte – je nachdem wie hoch deren Verfügbarkeit war und zu welchem Preis sie die Wettbewerber anboten. Nach einem ähnlichen Muster arbeitete im Oktober eine Kampagne für das neue BetriebssystemWindows 10. Das Dentsu Aegis Network entwickelte einen Out of Home-Auftritt, der Daten in Echtzeit mit einzelnen Kreationen verknüpft. Je nach Standort, Tageszeit, Wetter oder Verkehr erhielten die Konsumenten unterschiedliche Botschaf- abgescannt wurden; im Aktionszeitraum vom 28. März bis 6. April wurden rund 10.000 Kontakte am Tag gezählt. Wulf: „Die Verknüp- fung von Out of Home-Medien und interaktiven Anwendungen sehen wir als Turbo für die Branche.“ Diese interaktiven Anwendungen müssen nicht zwangsläufig auf Beacons oder NFC aufsetzen, auch wenn diese Technologien entspre- chende Werbekonzepte erleichtern. Für die TV-Soap „Mila“ stattete It Works beispielsweise City-Light-Poster mit Bodenaufklebern aus, die eine „Kissing Zone“ markierten. Dadurch konnte Mila ihre Suche nach dem Traumprinzen auf die reale Welt ausdehnen: Passanten wurden über das Plakat aufgefordert, Mila zu küssen. Taten sie dies, erhielten sie von Mila Antworten, da die City Lights mit Übertra- gungswagen gekoppelt waren. „Das interaktive Plakat muss eine klare Handlungsaufforderung ge- ben“, sagt Thomas Toporowicz. Gleichzeitig muss es den Hang zum Entertainment bedienen, am besten garniert mit einer Überraschung. Auf der Suche nach so einem Konzept können kreative Tüftler er- staunliche Ideen zu Tage fördern. Viktor Kislovskji, Creative Techno- logist bei der Werbeagentur Leo Burnett, erfand für den Fiat 500 beispielsweise ein interaktives Parking-Billboard (siehe auch Seite 3). Sobald ein Fahrzeug in der Nähe des Plakats einparken wollte, waren auf dem Billboard Gesten zu sehen, die dem Fahrer in die Parklücke halfen. Weltweit erste vollflächige Hausfassade aus LEDs Fand die optische Spielerei hier noch im überschaubaren Kreis statt, so zielt die neue interaktive Medienfassade am Klubhaus in St. Pauli auf die Faszination der Massen. Vier Millionen Euro kostete die 700 Quadratmeter große Fläche, über die sich beeindruckende werbliche, künstlerische und redaktionelle Konzepte realisieren lassen. Für die weltweit erste vollflächige Hausfassade aus LEDs konnte die Agentur Posterscope, Hamburg, Werbekunden wie Milka und Sonos gewinnen. Auch hier wird Werbung nicht mehr als Einbahnstraßen-Kommuni- kation gesehen, sondern als Animation zum Dialog. Über die Hash- tags #klubhaus oder #medienfassade können die Besucher der Reeper- Das Potenzial für Interaktion im öffentlichen Raum wächst, die User haben zunehmend Spaß am spielerischen, originellen Umgang mit den Out of

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyMzYy